Wir sind ein kleines interdisziplinäres Forschungsteam, das sich mit Fragen der Bürgerpartizipation im urbanen öffentlichen Raum beschäftigt

Tim

Tim Schnetgöke ist Diplomfotograf (Fachhochschule Bielefeld). Er lebt in Berlin und beschäftigt sich seit Jahren mit nicht beauftragter Kunst im öffentlichen Raum.

Katya

Katya Assaf ist Rechtswissenschaftlerin, sie arbeitet an der Hebrew University of Jerusalem. Zurzeit beschäftigt sich ihre Forschung mit der Politik hinter der ästhetischen Gestaltung vom urbanen Raum.

Jasmin

Jasmin Jossin ist Transformationswissenschaftlerin. Ihr Forschungsinteresse konzentriert sich auf die Entwicklung von neuen Visionen und Konzepten für nachhaltigere urbane Zukünfte. Als promovierte Stadtpsychologin bringt sie ihre Expertise zu den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen urbanen Bedingungen und menschlichem Wohlbefinden und Verhalten im Projekt ein.

zusammen

Katya, Tim und Jasmin forschen gemeinsam zu Fragen der Bürgerbeteiligung im öffentlichen städtischen Raum. Sie entwickeln Ideen, um Menschen in der Stadt sichtbar zu machen und das Gefühl von Präsenz und Zugehörigkeit zu stärken. Ihr besonderes Interesse ist es, den Stadtbewohner*innen zu ermöglichen, die Stadt mit ihren individuellen Beiträgen zu gestalten und damit den gemeinsamen urbanen Raum inklusiver, bunter und vielstimmiger zu machen.

Svenja

 Svenja Arndt Svenja Arndt fotografiert seit vielen Jahren lost places, Industrie und Architektur (Modern oder Brutalismus) und arbeitet sehr gerne an Google Maps damit sich andere zielorientiert in Städten kreativ bewegen können. In diesem Zusammenhang hat sie die „Schatzkarten“ für DU BIST AM ZUG erstellt, über die die Standorte der Plakate kommuniziert wurden. Sie ist Sozialarbeiterin und für den Social Media Bereich von DU BIST AM ZUG aktiv und bringt kreativen Content mit. Sie lebt in Berlin und interessiert sich für die Ästhetik des urbanen Raums und der Möglichkeit der Teilhabe von Kunst und Künstler*Innen in der Gestaltung von Stadtbildern/ Stadtwirkung.

Max

Max Mundhenke ist Kommunikationsberater und entwirft Digital-Kampagnen für Kunden aus Wirtschaft und Kultur. Der studierte Medienwissenschaftler (Uni Bielefeld) und Buchautor ist in den Sozialen Medien eher unter seinem Pseudonym Tom Kraftwerk bekannt und war unter anderem an der international erfolgreichen Stadtmarketing-Kampagne der Stadt Bielefeld beteiligt (#Bielefeldmillion). Er unterstützt das Projekt in der Strategie.

Was Wäre, Wenn Menschen Ihre Stadt Selber Gestalten Könnten?

Wir wollen herausfinden was passiert, wenn Menschen die Chance haben, den öffentlichen Raum mit Beiträgen ihrer Wahl zu gestalten. Deshalb starteten wir DU BIST AM ZUG im Jahr 2021. Nachdem wir mit unserer Projektidee verschiedene ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer für die Planung gewinnen konnten, erklärte sich schließlich die Wall GmbH als Werbeträger bereit, 1500 Plätze auf Plakatwänden für unser Vorhaben zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis war eine urbane Ausstellung von zufällig ausgewählten Motiven der Bürgerinnen und Bürger Berlins, die im Sommer 2022 an Orten des öffentlichen Lebens gezeigt werden konnte. Das Projekt wird darüber hinaus im Rahmen eines Forschungsprojekts von der Hebrew University Jerusalem ermöglicht und akademisch begleitet.

Was Wurde Geteilt? 

Von April bis Juni 2022 konnten Beiträge auf unserer Webseite hochgeladen werden. Es gab weder vorgegebene Themen, noch eine Jury – alle Einsendungen hatten die gleiche Chance, auf einer Plakatwand präsentiert zu werden. Knapp 800 Menschen aus allen Altersgruppen und von verschiedenster Herkunft nahmen teil. Die eingesendeten Beiträge zeigten eine beeindruckende Bandbreite: Gedichte, eigene Kunstwerke, persönliche Geschichten, politische Botschaften, Fotos und Kinderzeichnungen.

Ein Zugehörigkeitsgefühl

In Befragungen und Interviews berichteten die Teilnehmer*innen, dass sie sich im Rahmen ihrer Teilnahme an DU BIST AM ZUG deutlicher als Teil der urbanen Gesellschaft gefühlt haben, dass sie sich präsenter und stärker in ihrer Individualität wahrgenommen fühlten. „Das war eine Chance, gesehen zu werden, die man sonst vielleicht nie erhalten hätte,” bemerkte eine Teilnehmerin. Darüber hinaus weckten die persönlichen Poster bei Berliner*innen Empathie und Bewunderung, veranlassten sie zum Nachdenken oder lieferten ihnen neue Informationen und spannende Geschichten. Viele erzählten, dass sie davon überrascht waren, wie kreativ und vielfältig ihre Mitmenschen sind: „Jeder ist auf seine Art Künstler,“ wird ein im Rahmen des Projekts befragter Passant zitiert.

Zukunftspläne

Unser Experiment liefert deutliche Beweise dafür, dass eine bedingungslose Möglichkeit, sich in der Stadt sichtbar zu machen, das individuelle Zugehörigkeitsgefühl sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern kann.
Persönliche Äußerungen im öffentlichen Raum können als sinnvolles Mittel der urbanen Partizipation fungieren. Die Möglichkeit, individuelle Beiträge dem städtischen Landschaft hinzuzufügen, verwirklicht das Recht auf Stadt: das Recht, sich aktiv an der Gestaltung des urbanen Raums zu beteiligen. Darüber hinaus tragen individuelle Äußerungen das Potenzial, den demokratischen Diskurs für neue Themen, Ausdrucksweisen und Sensibilitäten zu eröffnen.
Aktuell suchen wir nach weiteren Wegen, unsere Vision zu realisieren und zu entwickeln. Wie würde DU BIST AM ZUG als ein Dauerprojekt funktionieren? Zu welchen Ergebnissen würde es in einer anderen Stadt oder gar in einem anderen Land führen? Was passiert, wenn man für eine Weile einer sozial benachteiligten Gruppe die Bühne überlässt? Diese und viele andere Fragen wollen wir mit weiteren Experimenten beantworten. Wenn Du Interesse hast, mit uns ähnliche Projekten zu verwirklichen, nimm bitte Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns über jeden Hinweis und Support, den wir bekommen können!

Ausgewählte Veröffentlichungen

Katya Assaf-Zakharov & Tim Schnetgöke, (Un)Official Cityscapes: The Battle over Urban Narratives, 57 Harvard Civil Rights-Civil Liberties Law Review 178 (2022)

Katya Assaf-Zakharov & Tim Schnetgöke, Urban Semantics through Law and Photography, 14 Cosmopolitan Civil Societies 52 (2022)

Katya Assaf-Zakharov & Tim Schnetgöke, Reading the Illegible: Can Law Understand Graffiti? (with Tim Schnetgöke)53 Connecticut Law Review 465 (2021)