Du bist am Zug - Piloprojekt in Berlin, 2022
In 2022 fand DU BIST AM ZUG zum ersten Mal in Berlin statt. Es war ein urbanes Experiment - wir wollten herausfinden, was passieren würde, wenn Menschen die Möglichkeit hätten, Inhalte ihrer Wahl mit der Stadt zu teilen. Erwünscht waren alle Beiträge, die sich im Rahmen geltender Gesetze bewegten. Von Juli bis August 2022 wurden Berliner Straßen mit 1500 von den Bewohner*innen gestalteten Plakaten beleuchtet.
Die Vielfalt der Inhalte hat uns inspiriert, und wir möchten einige Ergebnisse unserer Forschung teilen.
Wir haben sechs Themen identifiziert:
Kreativität
Politische Botschaften
Fotos von Natur, Tieren und urbanen Landschaften
Einblicke in die persönlichen Welten der Teilnehmer*innen
Berlin
Inspiration, Begrüßungen, Komplimente und Ratschläge
Einige Kommentare der Teilnehmer*innen
Wie geht es weiter?
Kreativität
Die meisten Teilnehmer*innen reichten Beiträge ein, die irgendeinen Aspekt ihrer Kreativität zeigten: Zeichnungen und Gemälde in verschiedenen Techniken, Collagen aller Art, Kunstinstallationen, digitale Kunstwerke, Skulpturen, Gedichte, selbst entworfene Designs und ein selbst geschneidertes Kostüm, sowie Fotos, die die Teilnehmer*innen beim Tanzen, Singen oder Spielen von Musikinstrumenten zeigen.
Politische Botschaften
Die zweitgrößte Kategorie umfasste politische Botschaften verschiedener Art. Die meisten von ihnen setzten sich für Gleichberechtigung im Allgemeinen ein oder wandten sich gegen bestimmte Arten von Diskriminierung - die Diskriminierung von LGTBQ, Frauen, Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten, introvertierten und übergewichtigen Personen. Darüber hinaus erhielten wir Beiträge, die darauf abzielten, bestimmte Krankheiten - wie Diabetes und Depressionen - sichtbarer zu machen. Besonders bemerkenswert war dabei die Zahl der an erkrankten Menschen.
Weitere zentrale Themen waren Umwelt- und Tierschutz sowie Antikriegsbotschaften – einige gegen Kriege und für den Frieden im Allgemeinen, andere speziell mit Bezug auf den Krieg in der Ukraine.
Fotos von Natur, Tieren und Urbanen Landschaften
In diese Kategorie fallen Bilder von Bäumen, Blumen und anderen Pflanzen sowie von verschiedenen Landschaften – Bergen, Wäldern, Feldern, Seen, Flüssen und Meeren. Einige Teilnehmer*innen schickten Bilder von Vögeln, besonders beliebt waren dabei Tauben, wobei auch Rotkehlchen, eine Ente, ein Reiher und ein Pfau zu den Motiven der Einsendungen gehörte. Uns erreichten ebenfalls viele andere Tierbilder, darunter ein Waschbär, ein Eichhörnchen, ein Grashüpfer und – wenig überraschend – viele Katzen und Hunde. Wir haben auch Bilder von urbanen Landschaften erhalten, die meisten davon von deutschen Städten.
Einblicke in die persönlichen Welten der Teilnehmer*innen
Die nächste Kategorie bestand aus Beiträgen, die einen Einblick in die persönlichen Welten der Teilnehmer*innen ermöglichten. Wir erhielten Fotos von den Teilnehmer*innen, von ihren Familien, Freunden und Haustieren sowie von ihrer intimen Umgebung. Einige Teilnehmer*innen teilten persönliche Geschichten – darunter Geschichten von Krankheiten, sexuellem Missbrauch, Krieg und Flucht, aber auch positive Erlebnisse, zum Beispiel wie sie eine Liebe oder ein neues Zuhause fanden, wie sie Schwierigkeiten überwunden oder Spaß hatten. Andere schickten Botschaften an bestimmte Personen – darunter ein Gedicht zum Gedenken an die verstorbene Oma und zwei Heiratsanträge. Darüber hinaus teilten viele Teilnehmer*innen Bilder und andere Kunstwerke ihrer Kinder.
Berlin
Eine fünfte Kategorie umfasste Beiträge, die der Stadt Berlin gewidmet waren. Wir erhielten Bilder von verschiedenen Orten und aus verschiedenen historischen Zeiten sowie Collagen zum Thema Berlin. Die Teilnehmer*innen schickten Gedichte über Berlin, Texte über ihre Liebe zu dieser Stadt und darüber, wie sie die Menschen verbindet, jedem das Gefühl gibt, zu Hause zu sein, sowie wie vielfältig, unkonventionell und inklusiv sie ist.
Inspiration, Begrüßungen, Komplimente und Ratschläge
Die letzte Kategorie umfasste Botschaften, die darauf abzielten, Inspiration, Komplimente und Ratschläge zu geben sowie einfach zu begrüßen. Viele Beiträge in dieser Kategorie empfahlen, sich Zeit zu nehmen, den Moment zu leben und den aktuellen Zeitpunkt als den richtigen wahrzunehmen. Andere enthielten Begrüßungen - zum Beispiel wünschten einen guten Tag oder fragten "Wie geht es dir?". Weitere Beiträge rieten dazu, Mut, Geduld und Solidarität zu haben, kleine Träume zu erfüllen, statt den großen hinterherzulaufen, Grautöne zu ertragen und sogar Gurken einzulegen. In diese Kategorie fielen auch inspirierende Zitate wie "Fürchte dich nicht vor den Dummen, die nichts wissen, fürchte dich vor den Schlauen, die nichts fühlen" (Erich Kästner) und "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar". (Antoine de Saint-Exupéry).
Einige Kommentare der Teilnehmer*innen
Viele Teilnehmer*innen erzählten über ihre Beiträge und ihre Motivation für die Teilnahme am Projekt, und wir möchten einige ihrer Kommentare an dieser Stelle teilen.

Hagen ist schwerst mehrfachbehindert und hat Schwierigkeiten mit der Handmotorik. Er hat "Mama" gemalt in einer seiner Lieblingsfarben. Für ihn und uns ein Meisterwerk, das gern mehr Menschen sehen sollen. 
Mein Kater ist so hübsch und ich finde mehr Leute sollten ihn sehen. 
Ich bin Mathematiker an der Technischen Universität Berlin und beschäftige mich unter anderem mit winkeltreuen Abbildungen und ihren Diskretisierungen. Das Bild zeigt eine winkeltreue Abbildung einer Chrysantheme und verbindet auf beeindruckende Weise Mathematik und Kunst. 
Mit meinem Bild des Hinterkopfes eines Freundes wollte ich ihn überraschen. Außerdem sah seine Frisur durch seinen Wirbel aus wie das Yin & Yang-Zeichen. 
Es ist eine wunderbare Möglichkeit, die Menschen zu inspirieren, einen Funken Schönheit und Poesie in ihre Herzen zu bringen, anstatt sie mit konsumanregenden Werbungen zu überschütten. 
Ich hab ein Werk namens „komplimentedusche“ ausgewählt welcher den Betrachter*innen ein Kompliment übermittelt welches nichts mit der äußerlichen Erscheinung zu tun hat.
Wie geht es weiter?
DU BIST AM ZUG hat eine große Menge an Daten erhoben, die wir in mehreren wissenschaftlichen Artikeln verarbeitet haben. Wir planen das Projekt zu wiederholen und unsere Erkenntnisse in die Gestaltung urbaner Landschaft zu vertiefen. Darüber hinaus planen wir die Veröffentlichung eines Bildbandes mit den eingesendeten Motiven und eine Erweiterung des Projekts. Um auf dem neuesten Stand zu bleiben könnt ihr uns gerne auf unseren Social-Media-Kanälen folgen!


































